Bringen Umweltzonen wirklich etwas?

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Dass hohe Feinstaubwerte gefährlich sind, wissen wir bereits seit Langem. Unser Umgehen damit ist aber eher halbherzig zu nennen. Kein Wunder, ist doch des Menschen liebstes Spielzeug involviert: das Auto. Wann immer Maßnahmen für saubere Luft gefordert werden, ist das Auto als Luftverschmutzer mit im Spiel. Dabei ist festzustellen, dass das Auto weder der alleinige Feinstaubverursacher ist, noch der größte. Fakt ist allerdings, dass in verkehrstechnischen Ballungsräumen die Feinstaubproblematik deutlicher ausfällt als anderswo. Diese Erkenntnis ergab zumindest einen machbaren Ansatz, wie man der Feinstaubproblematik beikommen konnte.

Abhilfe durch Schaffung der Umweltzonen

Eine solche Beschilderung weist auf eine entsprechende Umweltzone hin

Die so genannten Umweltzonen versprachen Abhilfe vom Feinstaubproblem. Kritiker ließen gleich wissen, dass diese nichts nützen würden. Sie sollten Recht behalten. Die umstrittenen Umweltzonen haben die Feinstaubwerte bisher nicht beträchtlich verändert. Die aktuellsten Zahlen des Bundesumweltamtes für das Jahr 2011 lassen Zweifel aufkommen, ob diese Lösung der wahre Jakob ist. Mehr als 35 Mal im Jahr darf die gemessene Feinstaubbelastung nicht höher als 50 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft sein. Leider hielten sich die Werte an zahlreichen Mess-Stationen nicht daran.
Bestimmte Verkehrsknotenpunkte zeigten weit häufiger höhere Belastungen. Nun schieben einige Experten dem Wetter die Schuld zu. 54 deutsche Umweltzonen gibt es, aber sie alle waren häufig Inversionswetterlagen unterworfen. Bei solchen Wetterlagen ziehen Schadstoffe in der Luft nicht ab. Schon fordert der AvD die Abschaffung der wirkungslosen Umweltzonen, in denen man nur mit Automobilen verkehren darf, die eine Plakette als schadstoffarm ausweist. Auch der ADAC verweist darauf, dass Autos nicht allein für die Feinstaubbelastungen verantwortlich seien. Sie gelten nur zu neun Prozent als Verursacher. Das sehen andere aber ganz anders. Sie verweisen darauf, dass das gesamte Ruhrgebiet jetzt Umweltzone sei und die Feinstaubwerte sich folglich zukünftig verbessern müssten.

Feinstaubbelastung reduzieren

Das Feinstaubproblem muss gelöst werden, daran gibt es keinen Zweifel – nur über das “Wie” wird weiter gestritten. Derweil bereitet die EU ein Verfahren vor, in dem es um Vertragsverletzungen geht und will genauer wissen, was in Deutschland gegen die Feinstaubproblematik unternommen wird. Umweltzonen gelten als akzeptable Maßnahme. Solange es jedoch an vielen Messpunkten keine Kontrollen der einfahrenden Fahrzeuge gibt, können die Werte nicht sinken. Zudem müsste man auch die hauptsächlichen Feinstaubverursacher in die Mangel nehmen: Industrieanlagen, aktive Vulkane, Kraftwerke, weltweite Gesteinserosion, Waldbrände oder Heizungen. Es wird klar, dass man an einigen der genannten Feinstaubquellen nicht drehen kann, an anderen aber zu zögerlich arbeitet.
Folglich scheint es der falsche Weg zu sein, die Umweltzonen wieder abzuschaffen. Vielmehr müssen die Umweltstandards für Industrieanlagen deutlich erhöht werden. Die Unternehmen machen bei entsprechenden Gesetzesentwürfen hohe Umrüstungskosten geltend. Von denen möchte man sie seitens der Politik gerne noch jahrelang entlasten, um Arbeitsplätze zu retten oder Abwanderung ins nicht umweltregulierte Ausland zu verhindern. So bleibt das Problem, was es ist. Für Heizungen müssen die Standards deutlich erhöht werden, aber hier sind ebenfalls kostenintensive Umrüstungen in größerem Umfang nötig. Es wird noch Jahre, wenn nicht ein oder zwei Jahrzehnte dauern, bis man eine Verbesserung der Luftqualität verspürt.

Umweltzone Erde?

Im Grunde bleibt nichts, als den Planeten in einer Gesamtschau zu betrachten und insgesamt zur Umweltzone zu ernennen. Nur dann würden alle Länder die gleichen Anstrengungen unternehmen. Diese würden im Effekt ausreichen.
Wie man kürzlich an Chinas Smogproblemen gesehen hat, sind Inversionswetterlagen nur die eine Seite der Medaille. Die andere ist, dass viele Erdenbürger eher Umwelt- und Atemprobleme, Verkehrsinfarkte und Smogalarm hinnehmen, als konsequent eine Politik zu wählen, die das Feinstaubproblem mit umfassenden und geeigneten Maßnahmen bekämpft.